Exklusiver Branchen-Einblick: So sieht die Produktentwicklung wirklich aus – Teil 2: Umsetzung

F. Sinner hat gepostet

Smartphones, Tablets und Notebooks sind in der heutigen Zeit aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Eine Vielzahl an Unternehmen bieten eine gigantische Zahl an unterschiedlichen Geräten in allen erdenklichen Preisklassen an. Doch der Prozess, der hinter einem Gerät steckt, bis es schließlich verkaufsbereit im Laden liegt, ist durchaus komplex und zeitaufwendig. Nicht wenige Menschen sind überrascht, wenn sie von den vielen verschiedenen Arbeitsschritten erfahren, die vor einem Marktstart nötig sind. Wir wollen in dieser Artikelreihe einen genauen Blick auf die Entstehung von technischen Geräten werfen – von der Konzeption, über die Entwicklung bis hin zur Marktreife.

Der heutige Artikel handelt von den Abläufen, die nach der Konzeption eintreffen. Nachdem das Grundgerüst steht und alle Rahmenhandlungen abgeschlossen sind, geht die eigentliche Umsetzung des Projekts in die nächste Runde.

Es geht ans Eingemachte

Der ODM-Partner wurde also ausgewählt und das finale Testgerät befindet sich nun beim OEM auf dem Schreibtisch. Damit konnte die Konzeptionsphase beendet werden und die praktische Arbeit beginnt beim Hersteller vor Ort. Dabei ist der Großteil allerdings noch mitnichten erledigt, denn es stehen viele weitere Schritte aus, bis das Gerät letztlich marktreif den diversen Elektrofachmärkten zur Verfügung gestellt werden kann. Ab diesem Punkt kümmert sich auch längst nicht mehr nur der Produkt-Manager um das Projekt, sondern es werden eine Vielzahl anderer Abteilungen zur Arbeit hinzugezogen, die alle gleichzeitig am Projekt werkeln.

Die Software als essentielles Grundgerüst

Die finale Hardware in der Hand zu halten ist schön und gut, aber das Gerät muss mehr können, als nur gut auszusehen und komfortabel in der Hand zu liegen (auch wenn dies natürlich ebenso ein wichtiger Faktor ist). Die fein abgestimmte Software auf dem Gerät ist aber schließlich der ausschlaggebende Punkt, ob das Gerät im Alltag eine optimale Performance abliefern kann.

Mit Windows, Android und MacOS/iOS gibt es drei große Betriebssystemvarianten auf dem Markt (Quelle: Stanislaw Mikulski / Shutterstock.com)

Darum kümmert sich die hausinterne IT-Abteilung, die ein sogenanntes Software-Image erstellt. Ein „Image“ ist in diesem Fall das komplette Software-Paket, bestehend aus der finalen Firmware, sowie aller benötigten Treiber. Dabei müssen bei der Zusammenstellung des Komplettpakets zudem die Vorgaben des Software-Anbieters (Microsoft zum Beispiel) beachtet werden, die diverse Richtlinien gesetzt haben – so muss beispielsweise das Betriebssystem eine gewisse Aktualität vorweisen können und das System muss durch eine Update-Option regelmäßig auf dem neuesten Stand gebracht werden. Außerdem sollte hier noch ergänzt werden, dass diese Richtlinien auch gleichzeitig vorgeben, ob und welche Software auf dem Gerät vorinstalliert werden darf.

Das Design ist weit mehr, als nur das Gehäuse

Auch das Design kümmert sich zeitglich um die Fertigstellung des Projekts, denn bis zum Projektende gehört design-technisch noch weit mehr dazu, als man im ersten Augenblick meinen könnte. Dabei kümmert sich das Team um die Gestaltung der Verpackung, denn diese muss möglichst zum Produkt passen, auffallen und dennoch gut aussehen.

Ohne Design-Teams wäre die Welt ein ganzes Stück weniger farbenfroh.

Dabei unterliegen Verpackungen allerdings nicht nur designtechnischen Richtlinien, sondern werden auch im Hinblick auf die Konformität zur umweltbewussten Entsorgung entwickelt. Auch Sticker für die Verpackung müssen gestaltet werden oder die Druckdaten für das Firmenlogo auf der Geräterückseite fertiggestellt werden. Dabei kann das Logo entweder gedruckt, gestanzt oder gelasert werden. Und natürlich sollte nicht vergessen werden, dass auch beigelegte Lesematerialien wie die Bedienungsanleitung oder die Sicherheitshinweise einen Feinschliff seitens des Design-Teams brauchen. Abschließend werden Bilder für den Web-Auftritt bereitgestellt, die für die Produktplatzierungen eingesetzt werden.

Text-Content ist unverzichtbar für das Verständnis

Die Aufmachung der Verpackung oder des Lesematerials wird mit den eigentlichen Textinhalten komplettiert. Darum kümmert sich eine sogenannte technische Redaktion, die jeglichen Content zum Lesen liefert. Das fertigte Gerät braucht zum Beispiel eine beigelegte Bedienungsanleitung, einen etwaigen Quick Guide sowie Sicherheitshinweise, die zudem in mehreren Sprachen angeboten werden müssen.

Die Bedienungsanleitung ist nur ein kleiner Teil des Redaktions-Aufgabenbereichs.

Hinzu gesellen sich Produkttexte für den eigenen Online-Auftritt, Datenblätter für den Vertrieb, mögliche FAQs für die Kunden und Texte für Händler, die das Produkt an den Endkunden vertreiben. In jedem Falle gilt es viel Content zu produzieren – auch wenn es womöglich überhaupt nicht den Anschein macht, so steckt hier doch ordentlich Zeitaufwand dahinter.

Mit dem Testing geht es in die vorzeitige Zielgerade

Analog zu den anderen Teams reiht sich auch das Testing mit in die Arbeit an. Dabei testen die Kollegen das Gerät auf Herz und Nieren und versuchen Stellen oder Situationen zu finden, in denen das Gerät nicht 100-prozentig zufriedenstellend funktioniert. Ist dies der Fall, wird an der Beseitigung der Probleme, sowie der Optimierung bestehender Prozesse gearbeitet. Dabei überprüft das Testing nochmals das Gehäuse auf etwaige Kanten, Spaltmaße oder wacklige Bauteile – die innerhalb dieses Stadiums aber eigentlich nicht mehr vorkommen sollten.

Beim Testing wird jedes Gerät bis ins kleinste Detail unter die Lupe genommen.

Nichtsdestotrotz schadet eine weitere Kontrolle natürlich nicht. Nachdem die IT-Abteilung das Image für das Gerät geliefert hat, wird auch dieses mehrfach getestet und überprüft. Stimmt die Performance? Kann da noch was angepasst werden oder zwickt es noch dort? Neben dem ersten Initialtext, bei dem direkt offensichtliche Dinge erkannt werden, folgen mehrere Detailtests, die in die Tiefe gehen, um so möglichst alle Ungereimtheiten zu erkennen. Alles was nicht vor Ort ausgebessert werden kann, landet im Fehlerbericht, der nachträglich abgearbeitet werden muss, bevor das Gerät auf den Markt gebracht werden kann.

Nun befinden wir uns bereits innerhalb des zweiten Artikels und haben noch immer nicht den Marktstart unseres Produkts erreicht. Obwohl wir uns so langsam der finalen Phase nähern, ist auch nach wie vor noch viel Arbeit zu erledigen, bis der grüne Haken endlich gesetzt werden kann. Wie es weitergeht, erfahrt Ihr im dritten Teil der Artikelserie „Exklusiver Einblick: So sieht die Produktentwicklung wirklich aus.

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Kommentar von wowo |

Sehr interessant,

danke für den Artikel.

Ich freue mich schon auf den von mir vorgeschlagenen Prototyp Media4 Care inkl. Sicherheits Präventions Geschichten "nicht nur für Senioren"

Mit freundlichen Grüßen

wowo

Antwort von F. Sinner

Hallo wowo,

sorry für die späte Freistellung des Kommentars, aber ich war die vergangene Woche im Urlaub. Ich hoffe, die Antwort kommt dennoch an: Das angesprochene Thema klingt durchaus sehr interessant. Wenn es sich zeitlich einrichten lässt, fügen wir den Artikel gerne noch hinzu - allerdings ist der gesteckte Terminkalender sehr eng. Liebe Grüße!

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