Exklusiver Branchen-Einblick: So sieht die Produktentwicklung wirklich aus – Teil 1: Konzeption

F. Sinner hat gepostet

Smartphones, Tablets und Notebooks sind in der heutigen Zeit aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Eine Vielzahl an Unternehmen bieten eine gigantische Zahl an unterschiedlichen Geräten in allen erdenklichen Preisklassen an. Doch der Prozess, der hinter einem Gerät steckt, bis es schließlich verkaufsbereit im Laden liegt, ist durchaus komplex und zeitaufwendig. Nicht wenige Menschen sind überrascht, wenn sie von den vielen verschiedenen Arbeitsschritten erfahren, die vor einem Marktstart nötig sind. Wir wollen in dieser Artikelreihe einen genauen Blick auf die Entstehung von technischen Geräten werfen – von der Konzeption, über die Entwicklung bis hin zur Marktreife.

Der heutige Artikel dreht sich ganz um das Fundament, mit dem alles beginnt. Die Konzeption, mit der nicht nur eine Idee geboren wird, sondern auch die ersten Schritte für die Zukunft gemacht werden.

Eine Idee wird geboren

Jedes Projekt startet grundsätzlich mit einer Idee – im besten Fall natürlich immer mit einer guten. Der Grundgedanke eines Geräts sollte in einer optimalen Ideenwelt immer genau auf die Grundbedürfnisse der angepeilten Zielgruppe angepasst werden: Wohin führt der aktuelle Trend? Welche Technik sollte zu welchem Preispunkt angeboten werden? Welches Betriebssystem passt perfekt zur angebotenen Hardware? Im Grunde könnte der Fragenkatalog ewig so weitergehen. Um auf Nummer sicher zu gehen, hilft oft eine Marktanalyse, die das aktuelle Technikinteresse besser herausfiltert und schlüssigere Antworten für den Hersteller liefert. Hinzu kommen Mitarbeiter des Vertriebes und Kundenservices, die im direkten Kontakt mit Händlern und den Endkunden stehen. Aus Gesprächen kristallisiert sich dann oft heraus, welche Spezifikationen genau den Zahn der Zeit treffen – in den meisten Fällen ist dies der Grundstein für das anstehende Projekt.

Die Suche nach dem Produktionspartner

Ein interessanter Punkt auf der Agenda, der vielen möglicherweise nicht bekannt ist: Während die Konzeption der Geräte bei den Herstellern im eigenen Hause stattfindet, wird das Endgerät dann oft außerhalb produziert – zu meist in China. Doch bei jedem neuen Projekt stellt sich die Frage, welcher Produzent (ODM = Original Design Manufacturer) das Gerät realisieren soll. Die Auswahl eines Partners fällt dabei alles andere als einfach aus: Allein im chinesischen Shenzhen, die Hochburg für die Produktion von Elektrogeräten, tummeln sich gleich mehrere hunderte potentieller Partner.

Das chinesische Shenzhen ist die inoffizielle Hauptstadt der weltweiten Tech-Produktion

Und jedes dieser dort ansässigen Unternehmen hat sein eigenes Spezialgebiet, nur begrenzt verfügbare Kapazitäten sowie eingeschränkte Materialverfügbarkeiten. Fazit: Nicht jeder Produzent ist in der Lage, das gewünschte Gerät auch tatsächlich herzustellen.

Die Auswahl des richtigen Produktionspartners

Nachdem mehrere potentielle ODMs mit dem angebotenen Portfolio (und wenig überraschend: dem passenden Preis) in die engere Auswahl genommen wurden und erste Muster für einen Qualitätscheck vorgelegt haben, geht es in die nicht ganz unwichtigen Details über. Hier wird vor allem überprüft, ob der zukünftige Partner auch alle Standards erfüllt, die man gerne sehen würde – denn hier gilt es, die moralisch richtige Entscheidung zu treffen. Die Standards müssen in Form von Zertifikaten vorgelegt werden, in denen die essentiellen Rahmenhandlungen bestätigt werden: Keine Kinderarbeit, gute Arbeitsbedingungen, ein idealer Arbeitsschutz und vieles mehr, von hoher Produktqualität mal ganz abgesehen.

Die Arbeitsverhältnisse beim ODM-Partner sind ebenso wichtig, wie die technische Qualitätskontrolle

Wenn die gewünschten Zertifikate vorliegen, folgt darauf ein sogenannter ODM-Audit, in dem die Zertifikate untereinander verglichen werden und so fragwürdige Partner schon im Vorfeld aussortiert werden. Dafür reist auch immer ein Mitarbeiter des Herstellers zu den ODMs und überprüft die hiesigen Arbeitsbedingungen und Produktionsanlagen vor Ort – denn sicher ist sicher.

Von der Idee zum Konzept

Hier angekommen, ist die ODM-Suche Geschichte. Der Partner wurde ausgewählt und produziert die ersten offiziellen Testversionen (Mockups) des Geräts. Die allerersten Mockups werden gegebenenfalls noch komplett ohne Funktion ausgeliefert, denn bei diesen dreht sich alles ganz um die Optik und die Verarbeitung. Es sollte aber bedacht werden, dass für jede einzelne Geräteversion eine eigene Testfassung produziert werden muss – oftmals noch per Hand. Bedeutet also: Jede andere Farbe, jeder andere Prozessor und jede weitere Hardware-Änderung bedeutet viel Arbeit und sollte vorab genauestens überlegt werden.

In solchen Paketen verstecken sich die Testgeräte, die vom chinesischen Partner zugesandt werden

Im besten Szenario ist das erste Gerätesample schon qualitativ perfekt, allerdings sieht die Realität dann doch anders aus und es folgen mehrere Hardware-Revisionen, bis der Hersteller mit dem Gerät zufrieden ist. Natürlich können nicht Dutzende Testmuster angefertigt werden – denn sonst könnte der Zeitaufwand höher werden, als ursprünglich eingeplant. Um effektiver an den Testgeräten zu arbeiten, die Kommunikation effektiver zu gestalten sowie den zeitaufwendigen Versand der Geräte zu überspringen, reist mehrfach ein Produkt-Manager nach China, um direkt vor Ort die Details, Qualität und Fortschritt der Arbeiten für das Endgerät zu überprüfen.

Vom Konzept ab in die nächste Phase

Im Idealfall dauert der Vorgang der Konzeption nur wenige Wochen – doch in vielen Fällen kommt es vor, dass der Zeitplan aus unterschiedlichen Gründen nicht eingehalten werden kann, da beispielsweise ein neuer Software-Release des genutzten Betriebssystems dazwischenkommt und die Geräte zum Vorteil des Kunden noch geupdatet werden müssen. Auf solche Fälle ist man im Vorfeld allerdings gefasst und hat daher zeitliche Pufferzonen als Fallschirm in den Zeitplan eingebaut. Sobald das finale Testsample mit der entsprechenden Produktqualität im Unternehmen liegt, kann das eigentliche Testing beginnen und das Gerät wird – auch Software-seitig – auf Herz und Nieren überprüft und eventuell noch nachträglich angepasst. Ab diesem Zeitpunkt tritt der zweite benötigte Schritt in Kraft, um das Gerät letztlich an die Kunden auszuliefern.

Und wie die Reise eines Technikgeräts weitergeht, bevor es im heimischen Elektrofachmarkt zu kaufen ist, erfahren Sie im zweiten Teil der Artikelserie „Exklusiver Einblick: So sieht die Produktentwicklung wirklich aus“.

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