eSport als olympische Disziplin? Wirklich?

F. Sinner hat gepostet

Vor nicht allzu langer Zeit hatten wir auf dem TREKSTOR INSIDER ein großes Interview mit Herrn Dr. Tobias Scholz, der sich großer Beliebtheit erfreute. Wir haben darin ausufernd über den eSport geredet, über dessen Status, den Werdegang und vor allem über das versteckte Potential. Denn das ist − und da sind sich viele Experten sicher − gigantisch. Einer der besprochenen Punkte war dabei Olympia und wie der eSport mit großer Wahrscheinlichkeit dort bald eine offizielle Disziplin sein wird. Und obwohl das für manche Menschen nicht nachvollziehbar sein wird, so ist der Schritt doch logisch und vor allem auch eine hochachtungsvolle Geste in Richtung der aufstrebenden Sportart. Es ist die logische Konsequenz der Zeit, eine Sportart zu unterstützen, sie sich innerhalb des am schnellsten wachsenden Unterhaltungsmediums bewegt. Ein Medium, dessen Spiele mehr Umsatz machen als Blockbuster im Kino und das schon längst Sportarten wie Basketball oder Eishockey in Deutschland abgehängt hat. Doch wird der eSport jetzt eine olympische Disziplin oder nicht? Nun, die derzeitige Situation ist noch nicht ganz klar, allerdings tut sich an der Front einiges. Ein Überblick:

 

Der eSport ist prädestiniert als olympische Sportart

Professioneller eSport wird bereits seit Jahren betrieben, mitsamt Turnieren und Preisgeldern, die bei manchen Spielen in die siebenstelligen Bereiche gehen. Dabei ist nicht nur die Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung stark angestiegen, sondern der eSport wurde zudem vielfältiger – mittlerweile existieren Events in einer Vielzahl von Games, die entweder alleine oder als Mannschaft angegangen werden können. Es gibt Team-Training, Sponsoren, Gehälter, Verträge, Qualifikationsrunden, Moderatoren und selbst geschulte Kommentatoren.

Allzu lange dürfte es nicht mehr dauern, bis der eSport eine offizielle Olympia-Disziplin werden könnte. (Quelle: lazyllama / Shutterstock.com)

Von 2011 bis 2013 wurde jährlich sogar eine eigene Videospiel-Weltmeisterschaft ausgetragen, die auf den Namen World Cyber Games hörte. All das zeigt, wie sich der eSport von einem Nischenhobby zu einer faszinierenden und ernstzunehmenden Sportart gemausert hat. Die Professionalisierung nimmt stetig zu und alles was fehlt, wäre eine offizielle Legitimierung um schließlich als Ganzes in der Öffentlichkeit anzukommen – und Olympia wäre exakt diese Legitimierung, nach der sich der eSport so sehr sehnt.

Erste Verbindungen zwischen dem eSport und Olympia

Auf einer Tagung des Olympia-Komitees (= IOC) im Oktober 2017 wurde erstmals über die Aufnahme des eSports als olympische Disziplin gesprochen. Auch dem Komitee war aufgefallen, mit welch einer Wucht der elektronische Sport auf den Markt drängt und welche Massen er dabei begeistert. Bei der Tagung wurde auch direkt besprochen, welche Spiele man bei einer potentiellen Teilnahme übernehmen könnte, da diese den speziellen Richtlinien der Olympiade entsprechen müssten. Die Rede war hier natürlich von Shootern, die sich mit ihrer virtuellen Gewalt nicht mit den Grundsätzen des Komitees vereinbaren lassen konnten. Man einigte sich dann vorerst darauf, den Fokus eher auf Sportspiele zu legen, die damit auch näher am Hintergrundgedanken der Olympiade angesiedelt wären – Spiele wie FIFA, NBA 2K oder Madden NFL wären hier zum Beispiel zu nennen. Andere Spiel-Genres, wie Strategiespiele (= Starcraft) oder MOBAs (= League of Legends) sollten aber aufgrund ihrer enormen Beliebtheit noch nicht kategorisch ausgeschlossen werden.

Die Interessen für eine Olympia-Aufnahme sind geweckt

Um die Hintergründe, Intentionen und Charaktere hinter dem eSport näher zu verstehen, lud der olympische Verband mehrere Experten zu sich ein – darunter befanden sich Entwickler bekannter Spieleschmieden sowie erfolgreiche eSportler, die mehr über sich erzählen sollten. Wie die Gespräche hinter verschlossenen Türen liefen und was das Fazit war, ist uns nicht bekannt. Was wir aber wissen: Die Interesse an der eSport-Aufnahme scheint danach nicht erkaltet zu sein, sondern der Olympia-Verband hat die Bestrebungen verstärkt, mehr über das Gaming herauszufinden.

Solche Pokale gibt es zwar nicht bei Olympia, aber eSportler dürften dennoch gerne auf Medaillenjagd gehen. (Quelle: Roman Kosolapov / Shutterstock.com)

Neben Testevents, die das IOC zusammen mit dem großen Computerchiphersteller Intel plante, durften sich auch erstmals fünf südkoreanische eSportler am olympischen Fackellauf beteiligen. Ein großer Achtungserfolg für die noch junge Sportart. So oder so, die Annäherung war offensichtlich und das Grundgerüst einer möglichen Olympia-Teilnahme wurde gesetzt.

Für die olympischen Sommerspiele 2020 wird es eng

Die Olympischen Sommerspiele finden 2020 in Tokio statt, einer der Hochburgen der noch jungen eSport-Szene. Selbst die japanische Politik hat sich als Unterstützer der Szene aufgeschwungen und stand lange mit der IOC im Dialog, um den sportlichen Newcomer als Disziplin aufzunehmen. Auch wenn − Stand jetzt − die Aufnahme für 2020 als eher unwahrscheinlich gilt, wurden doch diverse eSport-Turniere für die Sommerspiele geplant, um den Videospielen dennoch eine erhöhte Aufmerksamkeit zu bieten. Nichtsdestotrotz ist noch keine endgültige Entscheidung getroffen und wer weiß, vielleicht gibt es für das übernächste Jahr doch noch einen sportlichen Neuzugang für Olympia zu präsentieren.

Und doch: Der eSport wird olympisch – zumindest in Asien

In einem gesonderten Fall wurde eSports allerdings schon jetzt zu einer olympischen Sportart aufgenommen: Das Komitee für die Asienspiele hat bereits für das Jahr 2022 den Daumen nach oben gegeben. Bedeutet also: In diesem Jahr gehen asiatische Zocker in der chinesischen Stadt Hangzhou eifrig auf olympische Medaillenjagd. Dabei ist allerdings noch nicht klar, wie der Modus aussehen wird, wie viele Sportler zugelassen sein werden und welche Spiele zugelassen sind.

Die Chancen stehen gut, dass sich solche Szenen auch bei den Olympischen Spielen abspielen werden. (Quelle: Roman Kosolapov/Shutterstock.com)

Und es geht noch weiter: Bereits bei den Asienspielen 2018 werden erstmalig eSportler vertreten sein. Dort sollen die Spiele allerdings nur als erstmaliges Intermezzo dienen und eher als Teaser für das Ereignis in vier Jahren dienen. Dabei ist es nur logisch, dass der interaktive Sport zu erst in Asien seine echte Legitimierung erfährt, denn hier ist der Hype und die Leidenschaft nochmals um ein Vielfaches höher als in anderen Teilen der Welt.

Weltweit scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein

Bereits im Jahr 2024 soll es so weit sein, dass der eSport auch außerhalb der Asienspiele vorzufinden ist. Bei der Pariser Olympia-Bewerbung für das Jahr 2024 war bereits der eSport als Disziplin mit enthalten und obwohl erst nach Tokio 2020 das finale Programm bestätigt werden soll, so rechnen dem viele Experten sehr gute Chancen aus. Vor allem im Hinblick darauf, dass das IOC Olympia wieder verstärkt für jüngere Menschen attraktiv machen möchte – eine viel bessere Möglichkeit mit solch einem Potential wird sich vermutlich so schnell nicht mehr bieten. Es lohnt sich also schon jetzt, mit dem Gaming-Training anzufangen, um dann eventuell im Jahre 2024 für Deutschland ordentlich Medaillen einsacken zu können. Noch ist Zeit!

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