Entmystifiziert: Die acht bekanntesten Akku-Legenden der Welt

F. Sinner hat gepostet

Jeder hat täglich mit den kleinen nicht sichtbaren Energiezellen zu tun, die mittlerweile in fast allen elektrischen Geräten verbaut werden: Akkus. Ein Akku ist ein wiederaufladbarer Speicher für Energie und damit ein essentieller Bestandteil für Smartphones, Notebooks oder Tablets. In Gesprächen mit anderen Menschen ist mir immer wieder aufgefallen, dass die Instandhaltung und die Aufladung eines Akku-Trägers für viele eine Wissenschaft zu sein scheint. Es existieren viele Mythen, wie ein Akku beispielsweise geladen werden sollte. Es gibt viele Warnungen vor angeblich falschen Handlungen, die die Energiezellen dauerhaft beschädigen können. Viele „Tu dies“ und „Tu dies nicht“ Aussagen. Wir wollen deshalb mit der Legendenbildung aufräumen und der Sache auf den Grund gehen – welche Aussagen sind korrekt und welche sind es nicht.

Das Handy muss nach der ersten Nutzung aufgeladen werden

Nein, das muss es nicht. Grundsätzlich heißt es, die ersten Ladezyklen wären die wichtigsten, was auch absolut korrekt ist. Viele vergessen allerdings, dass eben diese ersten Akkuzyklen bereits in der Fabrik zu Testzwecken geladen werden. Bis das Gerät im eigenen Besitz landet, wurde es also während der Produktion schon mehrfach auf- und entladen. Zwar legen Hersteller gerne eine Warnung bei, der Akku müsse vor der ersten Nutzung unbedingt geladen werden, so ist der Grund dahinter so einfach wie banal: Der Nutzer soll während des ersten Eindrucks nicht mit einem ausgehenden Akku begrüßt werden, denn der erste Eindruck ist besonders wichtig. Zudem könnten auch bereits kurz nach dem ersten Start neue Updates für das Betriebssystem zur Verfügung stehen, die grundsätzlich nur mit einer gut geladenen Energiezelle gedownloadet werden sollten.

Es ist gefährlich, das Smartphone über Nacht am Ladekabel zu lassen

Manch einer mag schon Horrorgeschichten von explodierenden Akkus und lodernden Flammen im Schlafzimmer gehört haben, wenn das Smartphone über Nacht am Strom hängen gelassen wurde. Ist das überhaupt möglich? Kurze und knappe Antwort: Nein, sollte es eigentlich nicht. Geräte aus den letzten Jahren bedienen sich alle eines eingebauten Lithium-Ionen-Akkus, der in solchen Situationen sicher sein sollten - wenn denn an der Technik alles in Ordnung ist. Eine Garantie gibt es, trotz hoher Sicherheit, nie.

Vor solchen Szenen muss man sich in der heutigen Zeit nicht mehr fürchten.

Bei den alten Akkuträgern aus Cadmium-Materialien konnte es noch zu vereinzelten Beschädigungen oder Stichflammen des Akkus kommen. Neue Energiezellen werden von Sicherheitsmechanismen geschützt, die eine Überladung ausschließen. Ist das Gerät bei 100 Prozent, dann lädt es auch nicht weiter – selbst wenn es weiter an der Steckdose hängen sollte.

Apps immer schließen, um den Akku zu schonen

Das manuelle Schließen von Apps, bevor die Displaysperre des Smartphones eingeschaltet wird, spart den Akku. Ist doch logisch, oder nicht? Nun, in der Theorie ist dem so, in der Praxis sieht die ganze Geschichte allerdings ganz anders aus. Moderne iPhones oder Android-Smartphones bedienen sich zu jeder Zeit dem Multitasking und entscheiden daher auf intelligenter Basis, was mit einer nicht genutzten App im Hintergrund geschieht. Das Betriebssystem pausiert die App ganz einfach, die nun wie „eingefroren“ agiert – und so zwar geöffnet bleibt, allerdings der Energiezelle zu keiner Zeit zur Last fällt. Achtung, eine (ungeprüfte) These: Das Schließen und später erneute Öffnen einer App benötigt am Ende mehr Strom, als die App einfach geöffnet im Hintergrund laufen zu lassen.

Den Akku vor dem Aufladen unbedingt erst entladen

Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass der Akku vor dem Aufladen zuvor unbedingt komplett entladen sein müsse. Andernfalls würde dies der Lebenserhaltung der Energiezellen schaden. Es gibt sogar nach wie vor beliebte Apps, die den Akku künstlich leeren, um ihn dann wieder auffüllen zu können. Davon raten wir allerdings dringend ab! Bei den alten Nickel-Akkus mag dies zwar der Fall gewesen sein, doch den aktuellen Lithium-Ionen-Akkus schadet dieser Vorgang sogar. Die optimale Energieladung wird nachweislich erreicht, wenn sich der Akku im Bereich von 20 bis 70 Prozent befindet. Alles darüber ist nicht unbedingt dramatisch, aber eine künstliche Entladung ist nicht zu empfehlen.

Niemals ein Gerät nutzen, während es geladen wird

Das Problem kennt vermutlich jeder: Das Smartphone hängt am Ladekabel und plötzlich ruft die Familie an. Was tun? Panisch das Gerät vom Strom ziehen oder einfach dran gehen und das Risiko eingehen? Die Antwort ist recht einfach: Weder muss das Gerät vom Ladekabel entfernt werden, noch geht man ein Risiko ein, während man dieses während eines Ladezyklus nutzt.

Natürlich können heute Smartphones auch während dem Laden gefahrenlos bedient werden.

Im Akku eingebaute Mechanismen verhindern Schäden, wenn das Smartphone während der Energiezufuhr genutzt wird. Auch eine möglicherweise ansteigende Temperatur ist absolut kein Indiz dafür, dass dieses Vorgehen der Hardware schadet – es muss nur zwei komplexe Aktionen gleichzeitig ausführen und gerät dadurch ein kleines bisschen ins Schwitzen. Eine Gefahr entsteht allerdings zu keiner Zeit.

Eine warme Umgebung ist besonders förderlich für einen Akku

Schonmal von dem seltsamen Tipp gehört, besonders warme Orte seien ideal für die Aufbewahrung eines Geräts? Oder anders: Kälte schadet Akkus; das Smartphone oder das Notebook im Winter bloß nicht im Auto liegen lassen! Dabei sollte man auf keine der beiden Aussagen hören, denn beide beziehen sich auf einen weit verbreiteten Irrtum. Akkus fühlen sich bei normaler Zimmertemperatur sehr wohl. Was diese aber überhaupt nicht mögen, ist eine stark erhöhte Temperatur, etwa bei direkter Sonneneinstrahlung oder direktem Kontakt mit einer Heizung. Solch eine dauerhaft erhöhte Temperatur beschleunigt die Alterung der Energiezellen. Und während eine kühle Umgebung für den Akku kein Problem darstellt, sollte eine tatsächliche Kälte (unter Null Grad) ebenfalls vermieden werden.

Geräte sollten unbedingt mit dem Originalnetzteil geladen werden

Es wird seinen Grund haben, warum Geräte immer mit eigenem Netzteil ausgeliefert werden, oder? Schließlich ist dieses perfekt auf die Hardware abgestimmt – mit anderen Netzteilen laufe ich Gefahr, mein Gerät dauerhaft zu beschädigen. Stimmt der Mythos oder kann ich bedenkenlos auch zu anderen Lademöglichkeiten greifen? Ja, das ist bedenkenlos möglich, wenn das Ausweichnetzteil die gleichen Spezifikationen mit sich bringt. Natürlich sind so auch Netzteile von anderen Anbieter problemlos am Smartphone oder Tablet nutzbar.

Dank USB-C ist es überhaupt kein Problem mehr, auch andere Netzteile zu nutzen.

Einen Kompromiss müssen Sie bei manchen Drittanbietern aber eingehen: Eine mögliche Schnelladefunktion wird oft nicht unterstützt, auch wenn Hersteller existieren, die diese Funktion in die Netzteile integriert haben. Aber Vorsicht: Vor billiger Ware sollte man grundsätzlich die Finger lassen und lieber auf Marken zurückgreifen, die auch in deutschen Fachgeschäften angeboten werden und damit eine wesentlich höhere Sicherheit liefern.

Man sollte kein Gerät mehr einschalten, das schon fast erschöpft ist

Das ist vollkommen richtig. Sollte sich Ihr Gerät aufgrund eines niedrigen Akku-Standes ausschalten, dann sollten unter allen Umständen die erneute Aktivierung des Power-Knopfes vermieden werden. Das Gerät schaltet sich selbst als Schutz ab, selbst wenn noch ein paar wenige Prozente Restenergie vorhanden sind. Starten Sie in solchen Momenten das Smartphone oder Tablet ein, laufen Sie Gefahr, eine unnötige Tiefenentladung herbei zu führen. Eine Tiefenentladung ist dabei die vollständige Erschöpfung der Batteriezelle – ein Zustand, der wie bereits in Punkt 4 beschrieben wurde, unbedingt vermieden werden sollte.

So viel also zur Legendenbildung bei Akkuträgern. Wie sich herausgestellt hat, sind viele Mythen entweder schlicht falsch oder aufgrund besserer Akku-Technik mittlerweile stark veraltet. Wir haben uns schon selbst ertappt, wie wir den ein oder anderen Fehler im privaten Gebrauch gemacht haben. Aber wie schaut es bei euch aus? Welcher Fakt hat euch am meisten überrascht?

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