Eignet sich LTE als effektiver WLAN-Ersatz?

F. Sinner hat gepostet

Deutschlands Breitbandausbau ist im Vergleich mit anderen Industrienationen eine mittelschwere Katastrophe. Für viele vielleicht kaum zu glauben, ist dies dennoch die bittere Wahrheit. In jährlichen Vergleichen mit ähnlichen Nationen belegt unser Heimatland regelmäßig einen der hinteren Plätze – und obwohl Besserung gelobt wurde, ist nach wie vor keine in Sicht. Während in den großen Städten immerhin für eine schnelle Breitbandverbindung gesorgt ist, schauen viele Einwohner vor allem in ländlichen Gebieten schlicht und ergreifend in die Röhre. DSL-Verbindungen sind oft erdrückend langsam und in manchen Fällen sogar überhaupt nicht vorhanden. Aber obwohl der Breitbandausbau stockt, entwickelt sich der Mobilfunk rege weiter und bietet ganz neue Möglichkeiten – selbst für den Nutzer zu Hause. Doch kann der aktuelle LTE-Mobilfunkstandard ein echter DSL-Ersatz für die eigenen vier Wände sein? Unser Artikel wird es euch zeigen.

Was ist LTE?

LTE (= Long Term Revolution) oder fälschlicherweise auch 4G genannt (der technisch korrekte Begriff wäre hier 3.9G) ist das große Thema im Bereich der mobilen Nutzung. Der Großteil der Internetverträge für Smartphone oder Tablets bieten mittlerweile den superschnellen Standard an. Dabei bietet LTE einen theoretischen Download von bis zu 300 Mbit/s an und ist daher im optimalen Umfeld schneller, als viele DSL-Leitungen. Der Mobilfunkstandard bietet durch seine großen Geschwindigkeiten einen sehr guten Komfort zum Beispiel beim Buffern von Streaming-Inhalten und ist daher wesentlich vielfältiger und alltagstauglicher als der vorherige Standard 3G.

Empfange ich überhaupt LTE?

LTE kann an vielen Standorten in Deutschland genutzt, aber nicht überall. Ein Blick auf die Verfügbarkeitskarte der großen Anbieter in Deutschland kann aber schnell alle Fragen beantworten. Natürlich empfiehlt sich für die eigenen vier Wände immer noch ein simpler DSL-Anschluss, aber ist dieser nicht vorhanden oder nur mit stark gedrosselten Geschwindigkeiten, lohnt sich ein Blick in Richtung LTE definitiv.

LTE hat durchaus das Potential, eine echte WLAN-Alternative zu sein - und nicht jeder weiß das.

Eine LTE-Option macht allerdings auch nur dann Sinn, wenn eine gute UMTS-Verbindung gleichzeitig verfügbar ist (leicht am Handy zu überprüfen). Ein Vorteil bei der Nutzung auf dem Land: Vermutlich nutzen dort weniger Menschen LTE. Da LTE allerdings auf einem Funkstandard agiert, ist das euer Vorteil. Denn weniger Nutzung bedeutet am Ende ein stärkeres Signal und mehr Endleistung.

Und wie soll LTE nun WLAN ersetzen?

Sollten die Empfangsbedingungen für LTE gegeben sein, steht einer echten WLAN-Alternative nur noch die technische Umsetzung im Wege. Gott sei Dank ist dies seit geraumer Zeit kein Problem mehr. Viele Hersteller bieten mittlerweile Modems oder reine Router an, die speziell für den LTE-Betrieb ausgelegt sind und Smartphones, Tablets oder Notebooks den Zugang zum Internet gewähren. Dabei ist die Einrichtung denkbar einfach und benötigt weniger Arbeit, als es ein WLAN-Anschluss tun würde. LTE-Router an den Strom, SIM-Karte rein und fertig. Viel komfortabler geht es wohl kaum – und auf einen Kabel- oder Glasfaseraufbau muss man da auch nicht mehr länger hoffen.

Welche Nachteile habe ich mit einem LTE-Ersatz?

Wie oben bereits erklärt funktioniert LTE über einen Funkstandard und kann in optimalen Fällen ordentlich Leistung bringen – vor allem wenn sich nicht viele Menschen das gleiche Signal teilen. Der Vorteil ist allerdings auch gleichzeitig der Nachteil: Funk ist nicht immer stabil und kann an manchen Tagen auch gerne mal zicken. Es kann also durchaus in gewissen Fällen zu ungewünschten Verbindungsabbrüchen kommen.

Trotz seiner Nachteile sollten sich vor allem Menschen in Dörfern die LTE-Alternative genauer ansehen.

Zudem, und das ist vermutlich das Hauptproblem, sind LTE-Verträge getaktet. Bedeutet: Sie buchen ein festgelegtes Volumen (manche Anbieter liefern bis zu 50 GB im Monat). Ist dieses verbraucht, schaut ihr bis zum neuen Monatsbeginn stichwörtlich in die Röhre. Obwohl 50 GB nach einem ordentlichen Brocken klingen, ist die Realität dann möglicherweise eine andere. Zum normalen surfen und gelegentlichen streamen reicht das locker, doch Serienfans oder Filmjunkies die regelmäßig streamen, geraten dort recht schnell an die Grenzen. Immerhin bieten viele Anbieter flexible Tarife an, die zum Beispiel im Urlaub unterbrochen werden können – und so bares Geld einsparen.

Fazit: Ist LTE eine sinnvolle WLAN-Variante?

Nun, nach Auflistung aller Vor- und Nachteile liegt das immer im Auge des Betrachters. Sicherlich ist LTE eine solide Alternative für schwache oder nicht vorhandene WLAN-Situationen - vor allem in ländlichen Gebieten. Und obwohl die WLAN-Technik die eigentlich solidere Option ist, liefert LTE ebenfalls Lösungen mit eigenen Stärken und lohnt sich speziell für all die, die nicht täglich drei oder vier Folgen der Lieblingsserie streamen möchten. Denn wer nur gelegentlich Multimedia über das Internet genießet und primär ein normaler Internetsurfer ist, der hat – sofern am Standort verfügbar – ebenfalls viel Spaß im World Wide Web. Solltet Ihr also keine zufriedenstellenden Breitbandoptionen für ein ansprechendes WLAN haben, lohnt sich ein Blick rüber zur LTE-Alternative allemal.

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Kommentar von Markus Nikisch |

Ich denke für mich wäre LTE eine sinnvolle Alternative und ich überlege mir schon länger es einmal auszuprobieren.
Gerade in Gegenden wo der Ausbau nicht so weit ist wie bei mir.

Euer Artikel hat mir sehr geholfen - Danke!

Antwort von V. Wohlbold

Hallo Markus,

toll, dass dir unser Artikel gefallen hat und wir dir etwas weiterhelfen konnten!

Viele Grüße
V. Wohlbold

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