Ausführlicher Überblick: Die Touchpad-Bedienung mit dem Eingabestift

V. Wohlbold hat gepostet

Stylus, Digitizer oder Eingabestift – es gibt viele Begriffe für die kleinen Schreibhelfer, die das Bedienen des Touchscreens erleichtern. Wir wollen in unserem Artikel ein paar grundsätzliche Fragen dazu klären, welche verschiedenen Eingabestifte es gibt und wie sie funktionieren. Eines vorab: um den richtigen Stift zu finden, muss jeder selbst die Vor- und Nachteile abwägen.

Was ist der Unterschied zwischen einem aktiven und passiven Eingabestift?

Aktiver Eingabestift

Kurz gesagt lässt sich ein aktiver Eingabestift dadurch definieren, dass er eine eigene oder induzierte Stromversorgung hat und über ein elektromagnetisches Feld verfügt. Der Stift kann mit Tasten ausgestattet sein und dadurch als Ersatz für ein herkömmliches Zeigegerät (Maus) verwendet werden. Aktive Stifte werden entweder durch eine im Stift integrierte Batterie oder direkt vom zu bedienenden Gerät über Induktion mit Strom versorgt. Die Tasten am Eingabestift ermöglichen Shortcuts, wodurch man den Pen bequem an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann.

Passiver Eingabestift

Ein passiver Eingabestift verfügt nicht über eine eigene Stromversorgung und erfüllt lediglich die Funktion, die Fingerspitze durch den Eingabestift zu ersetzten. Es gibt keine „Kommunikation“ zwischen dem Eingabestift und dem Gerät. Dementsprechend kann das Gerät auch nicht zwischen Fingerspitze und Gerät unterscheiden.

Welche Touchscreen- und Technologie-Typen gibt es, bezogen auf Eingabestifte?

Resistive Touchscreens

Resistive Touchscreens werden z. B. in Tablet-PCs, electronic Organizer, PDAs und Smartphones verbaut. Wird Druck auf den Touchscreen ausgeübt, werden zwei elektrisch leitfähige Schichten stellenweise miteinander verbunden. Die Schichten bilden so einen Spannungsteiler, an dem der elektrische Widerstand gemessen wird, um die Position der Druckstelle zu ermitteln. Der Begriff „resistiv“ lässt sich somit auf den Begriff „Widerstand“ beziehen. Resistive Touchscreens sind mit der Fingerspitze oder jedem anderen Gegenstand mit kratzfreier Spitze bedienbar.

Vor- und Nachteile:

Vorteile resistiver Touchscreens liegen darin, dass die Bedienung mit jedem Eingabestift möglich ist und sie auch mit Handschuhen und Prothesen bedient werden können. Zudem sind sie genauer als z. B. kapazitive Touchscreens. Von Nachteil hingegen ist, dass sie nur über eine eingeschränkte Multitouch-fähigkeit verfügen (Two-touch). Zudem wird die Stärke des Aufdrückens nicht erkannt. Als unangenehm bewertet werden kann auch das unpräzise und unnatürliche Schreibgefühl sowie das Problem, dass beim Schreiben die Hand nicht aufgelegt werden kann, da das Gerät nicht zwischen Handballen und Finger bzw. Stift unterscheidet.

Kapazitive Touchscreens

Kapazitive Touchscreens - auch Multi-Touch-Displays genannt - finden vor allem bei Tablet-PCs und Smartphones Verwendung. Kapazitive Touchscreens funktionieren folgendermaßen: Eine an den Ecken der Beschichtung angelegte Wechselspannung erzeugt ein konstantes, gleichmäßiges elektrisches Feld. Es gibt also eine leitfähige Schicht im Bildschirm und eine Berührung verursacht Entladung an der Fingerposition. Es entsteht ein geringer Ladungstransport, der im Entladezyklus in Form eines Stromes an den Ecken gemessen wird. Die resultierenden Ströme aus den Ecken stehen im direkten Verhältnis zu der Berührungsposition. Der Controller verarbeitet dann die Informationen.  Kapazitive Touchscreens können nur mit dem Finger oder elektrisch leitenden Objekten (deren leitende Berührungsfläche Fingerdicke hat, wie z. B. kapazitive Stifte) bedient werden, nicht aber mit herkömmlichen Eingabestiften.

Vor- und Nachteile:

Kapazitive Stifte funktionieren auf fast jedem Touchscreen. Nachteil hingegen ist, sie können nicht mit Handschuhen bedient werden, zudem sind diese Touchscreens für Menschen mit Prothesen nicht barrierefrei. Zudem ist kein natürliches Schreibgefühl zu erwarten und auch die Stärke des Aufdrückens wird nicht erkannt, was zum Verlust von Linienteilen beim Schreiben führen kann. Zu beachten ist auch, dass der Handballen beim Schreiben nicht aufgelegt werden kann, da das Gerät nicht zwischen Handballen und Finger bzw. Stift unterscheiden kann. Da für kapazitive Stifte eine bestimmte Berührungsfläche erforderlich ist, kann die Stiftdicke unter Umständen die Sicht auf das Geschriebene behindern.

Induktive Touchscreens

Induktive Touchscreens werden z. B. bei teureren Tablet-PCs, Grafiktabletts und Bildschirmen mit integriertem Grafiktablett verwendet. Für induktive Touchscreens benötigt man einen Stift, in dem eine kleine Spule verbaut ist. Grob erklärt funktioniert ein induktiver Touchscreen folgendermaßen: An die Spule im Stift wird eine Spannung angelegt und so ein magnetisches Feld erzeugt, welches dann von Sensoren im Bildschirm erfasst wird. Diese Daten werden dann dazu genutzt, die genaue Position des Stiftes und, bei einigen Systemen auch die Distanz zum Stift sowie den Neigungswinkel von ihm zu bestimmen.

Vor- und Nachteile:

Induktive Touchscreens sind wegen des deutlich höheren Energiebedarfs für portable Geräte weniger geeignet. Sie haben gegenüber den anderen beiden Verfahren zudem den Nachteil, dass sie sich nur über spezielle Eingabestifte (mit einer integrierten Spule) nutzen lassen. Im Vergleich haben die induktiven Touchscreens jedoch den Vorteil, dass beim Schreiben durch einen aufliegenden Handballen keine Reaktion hervorgerufen wird. Positiv zu nennen ist auch, dass die Stiftposition ermittelt werden kann und über den Induktionsstrom zusätzliche Elemente wie z. B. Knöpfe am Stift betrieben werden können. Einige Modelle können auch den Neigungswinkel des Stiftes ermitteln.

Hybride Touchscreens

Es gibt auch Hybride Systeme, die mehrere Techniken nutzen, um gegenseitige Nachteile auszugleichen. Im Touchscreen sind zwei verschiedene leitfähige Schichten im Bildschirm verbaut – eine kapazitive Schicht und eine induktive Schicht. Eine Berührung mit dem Finger verursacht eine Entladung an der Fingerposition und eine Berührung mit einem speziellen Eingabestift eine Induktion. Der Vorteil ist, dass das Gerät dadurch zwischen Finger und Stift unterscheiden kann. Man kann beim Schreiben also die Hand auflegen, da in Schreibhaltung alle Berührungen ignoriert werden.

Fazit

Jeder Stift und jede Technikvariante bietet also Vor- und Nachteile. Deshalb sollte jeder für sich abwägen, ob er z. B. ein natürliches Schreibgefühl als oberste Priorität setzt und mit einem induktiven System gut bedient ist oder ob es für ihn wichtig ist, seinen Touchscreen mit einem Handschuh bedienen zu können und auf einen resistiven Touchscreen zurückgreift, dafür aber Abstriche bei der Präzision macht. Beim Kapazitiven Touchscreen und entsprechenden Stiften muss man unter Umständen einen relativ breiten und unbequemen Stift in Kauf nehmen, dafür ist der Stift mit Tasten ausgestattet, die weitere Funktionen ermöglichen. In Zukunft wird es wohl immer mehr hybride Systeme geben, die die jeweiligen Vorteile miteinander kombinieren.

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Kommentar von Uwe Vetter |

Habe das surfpad twin 11.6 LTE suche stift zum zeichnen und malen.
Welchen kann ich da nehmen und muss ich in windows was einstellen

Antwort von F. Sinner

Hallo Uwe!

Das Surfpad twin 11.6 LTE unterstützt nur passive Stifte, keinen aktiven. Leider können wir aufgrund der Vielfalt und verschiedenen Stylus-Anbietern keine Empfehlungen geben, wir bitten hier um dein Verständnis. Wenn du einen kaufsen solltest, dann aber in jedem Falle einen passiven Stift - solche sollten in jedem Elektrofachmarkt zu haben sein.

Liebe Grüße,
das TREKSTOR-Team

Kommentar von Niklas |

Hallo, habe ein Primebook c13 LTE welchen Stift kann ich da benutzen?

Antwort von F. Sinner

Hallo Niklas! Leider ist das Primebook C13 nicht für die Stifteingabe optimiert und kann nicht mit einem aktiven Stylus verwendet werden. Sie können alternativ einen passiven Pen verwenden, da aber das Gerät nicht hierfür optimiert kann es eventuell zu Aussetzern in der Eingabe kommen.

Liebe Grüße,
Fabian

Kommentar von G.B. |

Ich habe das primetab 13b 64GB. Welchen Stift könnte ich nutzen und ginge myscript nebo?

Antwort von F. Sinner

Hey G.B.! Das Primetab T13B unterstützt keine aktive Stifteingabe, sondern die passive Variante. Bei der passiven Stifteingabe sollten theoretisch alle Versionen funktionieren, allerdings können wir keine Garantien geben, da wir diese selbst nicht getestet haben. Wir denken aber, dass das klappen sollte. Zu der Frage bzgl. myscript neo können wir dir leider keine Antwort geben - das wissen wir nicht.

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