Internetsucht - wie viel Zeit wir wirklich im Internet verbringen

V. Wohlbold hat gepostet

Wir alle kennen die Situation, wir sitzen an der Haltestelle und warten auf den Bus oder Zug oder an einem Treffpunkt auf Freunde, da folgt auch schon der Griff in die Tasche, um auf dem Smartphone nochmal die Uhrzeit zu checken oder schnell eine Chat-Nachricht zu beantworten. Wenn der Konsum mit dem Smartphone ein Lückenfüller bleibt ist alles ok, schnell kann die Zeit im Internet aber auch große Zeiträume des Tages einnehmen und krankhaft werden. Internetsucht ist eine Verhaltenssucht, also eine stoffungebundene Abhängigkeit, sie wird mit den Begriffen Internetabhängigkeit oder auch Internet- oder Onlinesucht bezeichnet. Eine extreme Abschottung von der Wirklichkeit kann weitreichende Folgen für das soziale und berufliche Leben sowie auf die Gesundheit haben.

Wann wir Internet und Smartphone nutzen

Klassischer Weise nutzen wir das Smartphone am häufigsten zu Kommunikationszwecken, dazu zählen Telefonieren, Instant Messaging und der E-Mailkontakt. Daneben greifen wir aber auch zum Smartphone, um eine App zu nutzen oder uns mit Spielen, Videos, Nachrichten, Musik oder eBooks zu unterhalten oder über das Internet Informationen einzuholen.

Werte aus der Statistik, die staunen lassen

Gefühlt greift man nur ab und an zum Smartphone und man würde für einen durchschnittlichen Nutzer vielleicht auf 20-30 Kontakte pro Tag mit dem Smartphone tippen, laut Statistik greifen wir aber durchschnittlich rund 88 Mal am Tag zum Smartphone. Die Hauptnutzungszeit des Smartphones liegt dabei zwischen sieben und 19 Uhr mit Hochpunkten zwischen 16 und 19 Uhr. Am seltensten wird das Smartphone zwischen drei und fünf Uhr morgens benutzt. Ein leichter Nutzer verbringt damit ca. zwei Stunden pro Tag im Internet, bei starken Nutzern sind es mindestens vier Stunden. Für einen leichten Nutzer ergibt das ca. 2600 Berührungen pro Tag mit dem Smartphone, für starke Nutzer hingegen ganze 5500 Berührungen. Wem die oben genannten 88 Smartphone-Kontakte am Tag viel vorkommen, sollte mal den Selbstversuch starten, sich im Alltag beobachten und wird beim Ergebnis wahrscheinlich überrascht sein.

Durchschnittlich nehmen wir das Smartphone 88 mal am Tag in die Hand (Quelle: Shutterstock.com)

Wie äußert sich eine Internetsucht?

Wer schon Schwierigkeiten hat, mehr als drei Tage ohne Smartphone und Internet auszukommen, sollte bereits anfangen an seinem Verhalten zu arbeiten. Ob eine Sucht besteht oder nicht, hängt vor allem davon ab, ob der Betroffene bei einem Internetentzug einen Leidensdruck verspürt und ob seine intensive Internetnutzung negative Folgen, wie z. B. Isolation, zur Folge hat. Eine Internetabhängigkeit äußert sich z. B. durch die Vernachlässigung üblicher Lebensgewohnheiten, sozialer Kontakte, der persönlichen Versorgung und Körperhygiene. Häufige Entzugserscheinungen sind schlechte Laune, Nervosität, Reizbarkeit, Schlafstörungen oder Schweißausbrüche.

Folgen für die Gesundheit

Eine Internetsucht betrifft vorwiegend Jugendliche zwischen 14 -24 Jahren, aber nicht nur, auch ältere Altersgruppen können davon betroffen sein. Seit Juni 2018 wird die Online-Spielsucht - als spezielle Form der Internetsucht - von der WHO offiziell als Krankheit geführt. Wer viel Zeit vor dem Bildschirm verbringt schadet seinen Augen, kann unter Konzentrations- und Schlafstörung leiden, hinzu kommen gesellschaftliche Aspekte, wie Isolation, und dadurch gefördert seelische Erkrankungen wie z. B. Depressionen.

Die Folgen für die Gesundheit können weitreichend sein (Quelle: Shutterstock)

Was tun, um den Smartphone-Konsum zu reduzieren

Wie immer bestimmt das Maß die Dinge. Am besten ist es, es erst gar nicht zu einer Internetsucht kommen zu lassen. Wer seinen Smartphone-Konsum einfach nur reduzieren möchte, könnte es mal mit den folgenden Tipps versuchen:

  • Sich ein Zeitlimit setzen
  • Sich ein Smartphone mit einer anderen Person teilen
  • Das Smartphone auf lautlos stellen/Alarmtöne ausstellen
  • Personen treffen, anstatt zu chatten
  • Echten Wecker anschaffen/Armbanduhr nutzen
  • Das Smartphone nicht direkt wieder aufladen
  • Sich bewusstmachen, wie viel Zeit man mit dem Smartphone verbringt, dabei können Apps wie Moment (iOs) und Menthal helfen
  • Smartphone an nicht sichtbaren Ort legen
  • Offline in den Tag starten

Wer glaubt bereits eine Internetsucht entwickelt zu haben, sollte sich professionelle Hilfe suchen:

  • stationäre Therapie
  • Tagesklinik
  • Einzelgespräche
  • Selbsthilfegruppen

Es gibt auch Apps, die auf unterhaltsame Weise, über das Belohnungsprinzip, dabei helfen den Smartphone-Konsum zu reduzieren. Ein Beispiel dafür ist die App „Forest“, das Prinzip ist ganz einfach: Mit jeder Minute, in der man die Finger von seinem Smartphone lässt, wächst ein Baum heran. Nach 30 Minuten ist dieser ausgewachsen. So kann man sich nach und nach einen immer grösser werdenden Wald heranzüchten.

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