Aktuelle Tonformate im Überblick – Mehr Durchblick im Sound-Irrgarten

F. Sinner hat gepostet

Heimkino ist schon eine komplexe Angelegenheit. Da gibt man viel Geld für tolles Equipment aus und möchte sich nur ganz locker eine Blu-Ray oder einen 4K-Film gönnen und dann kommt das große Fragezeichen. Habt Ihr schon einmal versucht eine Tonspur auf einem neuen Film auszuwählen? Habt Ihr euch das wirklich schon getraut? Wenn ja, habt Ihr vermutlich die Büchse der Pandora geöffnet. Gut, leicht übertrieben, aber auch wirklich nur leicht. Denn die Hülle und Fülle an auswählbaren Tonformaten, die zudem in manchen Fällen nur exklusiv in Englisch auswählbar sind, erschlagen einen schon gleich beim ersten Anblick. Dolby Digital oder doch lieber DTS? 5.1 oder 7.1? Wer soll denn da noch durchblicken? Gut, dass es dafür den TREKSTOR INSIDER gibt!

Dolby gegen DTS – Kampf zweier Schwergewichte

Bereits seit längerer Zeit wird das Sound-Business von den zwei großen Unternehmen Dolby und DTS beherrscht, die seit Jahren versuchen sich mit immer neuen Technologien gegenseitig abzuhängen. Natürlich gibt es auch Konkurrenz außerhalb der beiden Marktführer, aber im Kino oder zu Hause vor dem Fernseher sind diese eher selten vorzufinden. In 99 von 100 Fällen trifft man entweder auf das markante Dolby Logo oder das nicht weniger bekannte DTS-Wappen. Dolby und DTS haben jeweils vier aktuelle Tonformate auf dem Markt, die mal hier und mal dort genutzt werden. Alle diese Formate agieren mittlerweile auf einem digitalen Signal – denn die analoge Varianten wurden schon vor Jahren eingemottet. Viel Glück, wenn man bei all den Informationen mit einem klaren Kopf durchblicken möchte!

Das Dolby-Portfolio im Check

Dolby Digital

Die Dolby-Basisvariante ist in etwa der Einstieg in den Sound-Markt und daher schon recht günstig realisierbar. Wir befinden uns hier aber im absoluten Sound-Einstiegsbereich. Dolby Digital unterstützt dabei 5.1 (Fünf Lautsprecher und einen Subwoofer) und strahlt den Ton zwar in digitalem Ton ab, ist allerdings nicht verlustfrei. Als Basisanmerkung: Ein komplett verlustfreier Ton rekonstruiert den Ton exakt so, wie er von den Machern gewollt ist. Gibt es Verluste, verfälscht sich der Sound und weicht von der Ursprungsvision des Films ab.

Dolby Digital Plus

Die verbesserte Version Dolby Digital Plus unterstützt 7.1 und damit mehr, als das normale Dolby Digital. Auch die Bitrate fällt höher aus und kann daher mit einem noch klareren und optimaler abgestimmten Ton punkten. Allerdings müssen auch hier mit Audioverlusten gerechnet werden. Nichtsdestotrotz: Sieben Lautsprecher sind schon eine ordentliche Ansage.

Quelle: shutterstock.com

Dolby True HD

Das Tonformat Dolby True HD war das erste Tonformat, dass ganz verlustfrei den Sound wiedergeben konnte. Auch hier handelt es sich um ein 7.1 System, dass klangtechnisch den Vorgänger aber alt aussehen lässt. Nicht ohne Grund wird die Dolby True HD Spur bevorzugt von Hollywoodstudios als Tonformat für hochauflösende Blu-Rays genutzt.

Dolby Atmos

Die neuste Technologie von Dolby findet sich zunehmend in Kinofilmen wieder, wird aber auch zusehends in Blu-Rays oder 4K-Filmen angeboten. In den letzten Jahren war diese Tonspur zwar oft der englischen Sprache vorenthalten, doch Filmstudios veröffentlichen immer öfter Dolby Atmos auf den hiesigen Scheiben. Dabei fällt Atmos im Vergleich zu den Vorgängerversionen anders aus, denn hier sorgen nicht die (bis zu 24) Boxen alleine für den Sound, sondern der Output ist objektbasiert. Das bedeutet er nutzt die Räumlichkeiten um für ein volleres und ausgewogeneres Klangbild zu sorgen.

Das DTS-Portfolio im Überblick

DTS

Das erste digitale Tonformat der Firma DTS hörte auf den kreativen Namen (Achtung, Festhalten!) DTS. DTS unterstütze schon damals eine höhere Bitrate als die Konkurrenz aus dem Hause Dolby, war allerdings ebenfalls für ein 5.1 System ausgelegt. Die höhere Bitrate sorgt theoretisch für einen besseren Ton, da die Höhen- und Tiefenfrequenzen wesentlich feiner herausgearbeitet werden.

DTS-HD High Resolution Audio

Mit DTS-HD High Resolution Audio führte DTS ebenfalls erstmalig die Unterstützung für 7.1 Tonsysteme ein. Der digitale Sound wurde aber, genauso wie beim normalen DTS, mit Verlusten ausgegeben, konnte aber dennoch mit einem fein ausbalancierten Ton glänzen. Trotz allem galt diese Version nur als Zwischenschritt bis zur nächsten großen Neuentwicklung.

Quelle: seeklogo.com

DTS-HD Master Audio

Das nächste große Ding aus dem Hause DTS wurde DTS-HD Audio Master. Ein Tonformat, welches 7.1 unterstütze und dabei verlustfreien Sound mit einer Bitrate von bis zu 24,5 Mbit/s ausspielen konnte. Dieses Tonformat wird häufig aufgrund der Allround-Fähigkeiten auf aktuellen Blu-Rays oder neuen Videospielen vorgefunden.

DTS:X

Das Konkurrenzprodukt des sehr bekannten Dolby Atmos wurde DTS:X getauft und sollte den verlorenen Boden im Sound-Business wieder wett machen. Dabei funktioniert DTS:X ähnlich und agiert eher mit der Umgebung, als mit reiner Boxenpower. DTS:X unterstützt zudem 32 verschiedene Lautsprechereinstellungsoptionen, um das Ton-Erlebnis so weit es geht, zu personalisieren und auf den Hörer abzustimmen.

Ist THX kein Tonformat?

Wer viele Filme schaut, der kommt am großen THX-Logo auch nur selten vorbei, auch wenn die Nutzung in den letzten Jahren nachgelassen hat. Dabei ist wichtig zu wissen, dass THX kein Tonformat ist und daher nichts mit Dolby oder DTS zu tun hat. Stattdessen handelt es sich hier um ein Qualitätssiegel für den optimalen Sound im persönlichen Heimkino. Dabei sind THX zertifizierte Geräte oft im hochpreisigen Segment angesiedelt, um den Originalton so verlustfrei wie nur möglich abzuspielen. Wer also hohe Qualität möchte, der kommt an diesem Siegel kaum vorbei.

Und welches Tonformat sollte ich wählen?

Eine pauschale Antwort, welches Tonformat das richtige ist, gibt es nicht. Dafür variieren Geräte, Preise, Verfügbarkeiten und Geschmäcker zu sehr. Auch ein Blick auf das Heimkino zeigt, dass Filmstudios sich auf keinen der beiden Anbieter festgelegt haben. Während Dolby Atmos im Highend-Bereich noch leicht die Nase vorne hat, führen eher die anderen DTS-Formate vor den Dolby-Pendants. Also ist hier ebenfalls keine Aussage pauschal beantwortbar. Es ist auch in naher Zukunft nicht absehbar, dass sich ein Format richtig durchsetzen und dominieren wird – denn die Industrie wird, wie die letzten Jahrzehnten auch, weiterhin zweigleisig fahren.

Für alle, die sich nicht entscheiden können, gibt es aber glücklicherweise eine Antwort: Warum nicht einfach beide Tonformate besitzen? Dafür muss man sich nicht gleich zwei Receiver anschaffen, sondern man benötigt nur einen. Denn die Antwort ist recht einfach: Hochpreisige Receiver unterstützen nicht nur die modernsten Audioformate, sondern auch gleich noch beide gleichzeitig. Dolby Atmos und DTS:X auf einem Gerät abspielen? Klar, geht! Nun, zumindest ab einem bestimmten Preispunkt.

< zurück

Einen Kommentar schreiben

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.
OK